Angst vor Russland, warum? – Der genauere Blick auf die Putinschelte

Angst vor Russland, warum? – Der genauere Blick auf die Putinschelte

Wird der Westen von Russland bedroht? Glaubt man den Kommentaren, die gegenwärtig rund um den `Fall Skripal‘ wieder einmal Konjunktur haben, dann müsste man das annehmen. Man kann allerdings auch die Frage stellen, die sich hinter all dem Getöse erhebt: Woher diese Angst? Wovor fürchten sich die USA – obwohl doch die ‚einzige Weltmacht‘? Wovor fürchtet sich die EU – obwohl doch im Besitz der ‚höchsten zivilisatorischen Werte‘? Wovor fürchten sich all diese beflissenen medialen Brandbeschleuniger?

Russlands Autarkie

Die Antwort ist umwerfend einfach, dabei jedoch, wie es scheint, ebenso schwer zu verstehen wie sie einfach ist: Sie liegt – wenn man sich nicht nur an der Person Wladimir Putins aufhalten will – in Russlands Möglichkeit zur Autarkie.

Die russische Autarkie ist dreifach begründet: Das sind zum einen die natürlichen Ressourcen in der Weite Russlands: Gas, Öl, Erze, Wald, Tiere usw.; es sind zum zweiten die sozio-ökonomischen Ressourcen, die aus der Fähigkeit der russischen Bevölkerung zur Eigenversorgung und den damit verbundenen, ins Land eingewachsenen kulturgeografischen Strukturen folgen. Das ist zum dritten die Vielfalt des Völkerorganismus, aus der dem Land – bei allem unvermeidlichen Zentralismus – starke Kräfte zufließen.

Zu sprechen ist von einem außerordentlichen natürlichen und menschlichen Reichtum, einer strukturell begründeten potentiellen Autarkie, die keine andere Gesellschaft auf der Erde in dieser konzentrierten Art und Weise ihr Eigen nennen kann. Sie gibt Russland die Möglichkeit, wenn es denn sein muss, unabhängig von globaler Fremdversorgung oder – in feindlichen Kategorien gedacht – unabhängig von Sanktionen zu existieren, zumindest wesentlich länger zu überleben als andere Länder es könnten. Dreimal versetzte diese strukturelle Autarkie Russland im Lauf  der jüngeren Geschichte bereits in die Lage, westlichen, konkret europäischen Eroberungsversuchen zu trotzen, sie zumindest zu überstehen und gestärkt aus ihnen hervorzugehen: denen Napoleons 1812, denen der Deutschen Reichswehr 1917, denen Hitlers 1939.

Heute ist es wieder so: Trotz technischen Nachholbedarfs, trotz Dauer-Transformation seit Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts bis heute schaffte es Russland zum Erstaunen der Welt auch nach 1991 wieder, nicht nur zu überleben, sondern, zwar noch geschwächt, aber doch mit neuer Stärke aus der Krise hervorzugehen.

Stabilisierung innen und außen

Wladimir Putins Wirken und seine Auftritte spiegeln diese Tatsachen: Nach innen ist das die Konsolidierung einer neuen herrschenden Schicht. Stichworte dazu sind: Eine bürokratische Zentralisierung, eine Ausrichtung der Medien am nationalen Interesse und eine Disziplinierung der Oligarchen. Dazu kommt eine – wenn auch durch den Ölpreis gestützte – soziale Befriedungspolitik gegenüber der werktätigen Bevölkerung.

Nach außen ist es der Widerstand gegen den hegemonialen Anspruch der USA. Die Stichworte dazu sind, um nur an die wichtigsten Stationen zu erinnern: Verabschiedung einer neuen Militärdoktrin 2002 nach dem Niedergang in den 90ern, Auftritt gegen die Militarisierungspolitik der USA bei der Münchner Sicherheitstagung 2007, im Anschluss daran eine – so kann man es in Erinnerung an vordergründige westliche Kritiken nennen, die dem nachsowjetischen Russland Unentschiedenheit vorwarfen – konsequent opportunistische Politik Russlands zwischen Ost und West, zwischen EU im Westen und Shanghaier Bündnis im Osten. In ihrer Folge wurde Russland zum Impulsgeber einer sich aus der Dominanz der USA und des Westens allmählich lösenden multipolaren  neuen Welt,  während die ehemals ‚Neue Welt‘, die USA, sich in dem Versuch, die ihr 1991 zugefallene Weltherrschaft zu behaupten, in Kriege verstrickte und immer verstrickt und am Verfall ihrer moralischen wie auch politischen Autorität krankt.

Wird Putins Politik unter diesen Gesichtspunkten sachlich überprüft, dann lässt sich erkennen, dass er der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort war, der Russland wieder auf den Weg zu sich selbst und als Großmacht wieder ins globale Spiel gebracht hat.

In dieser sich abzeichnenden Wende liegt die Ursache für die Angst des Westens, dessen herrschende politische Schichten meinten, Russland im Kalten Krieg geschlagen zu haben und die nun mehr und mehr erkennen müssen, dass die Geschichte keineswegs beendet ist, weil auf dem Höhepunkt der amerikanischen Weltordnung angekommen, sondern das sie auf ganz neue, von ihnen nicht erwartete und nicht erwünschte Weise neu angestoßen werden könnte.

Great game – neu aufgelegt

Diese Kräftelage macht deutlich, worum es bei dem neuaufgelegten „Great Game“ geht, soweit es Russland betrifft: Es geht zunächst darum Russland von der Verfügungsgewalt über seine natürlichen Ressourcen zu trennen. Das trifft sogar dann noch zu, wenn nicht nur über Gas und Öl, sondern auch über erneuerbare Energien oder Energien aus Naturkräften wie Wind, Wasser, Sonne gesprochen wird. Selbst neue Verfahren der Energiegewinnung, wie OPV (Organische Photovoltaik), die heute am Horizont auftauchen, sind in diese Perspektive mit eingeschlossen, solange auch dafür eine Kunststoffbasis beruhend auf Öl gebraucht wird.

Es geht dem Westen des Weiteren um politische Interventionen, die Russland daran hindern sollen, vom Impulsgeber der sich ausbildenden multipolaren Ordnung zu deren globaler Bezugsgröße zu werden. Konkret geht  es darum, Putin nicht weiter Statur als globaler Stabilisator und Krisenmanager gewinnen zu lassen. Dem dient die Dämonisierung Putins als neuer Hitler, neuer Stalin, als Aggressor usw., nach dem Motto: „Irgendetwas bleibt immer hängen“.

Schlechte Karten für den Westen

Unter all diesen Bedingungen haben die Westmächte, wenn sie Russland klein halten wollen, statt ein starkes Russland als Chance für einen zukünftigen Weltfrieden zu begreifen, nur wenige Optionen: Sie können versuchen Russland über Sanktionen zu schwächen; sie können versuchen Russland in einen Rüstungswettlauf zu treiben, sie können versuchen Russland in Kriege an seinen Grenzen zu verwickelt. Sie könnten davon träumen, Russland unter Ausnutzung von Widersprüchen in seinem Vielvölkergefüge nach dem Muster der Ukraine in einen Regimechange zu treiben oder schließlich gar direkt mit Krieg zu überziehen.

Letztlich ist keine dieser  Optionen realistisch, solange politische Vernunft das strategische Handeln bestimmt: Eine erneute Destabilisierung Russlands auf dem jetzigen Niveau wäre gleichbedeutend mit einer Destabilisierung des Weltmarktes und der internationalen Beziehungen. Ein direkter militärische Angriff auf Russland, der mehr bewirken sollte als eine zeitweise Lähmung des Landes auf dem Niveau der Selbstversorgung, wäre angesichts atomarer Bewaffnung der möglichen Kontrahenten gleichbedeutend mit einer Zerstörung der Welt. Daran können selbst größenwahnsinnige Noch-Hegemonisten kein Interesse haben. Was außerhalb rationaler Interessen geschieht, wenn sich die Feindpropaganda an ihren eigenen Ängsten hochzieht, ist eine andere Frage, über die zu spekulieren keinen Sinn macht.

Kai Ehlers

www.kai-ehlers.de

Siehe auch die umfangreichere Analyse zur gleichen Frage aus dem Jahre 2008 auf der WEBsite des Autors. Darin  werden historischen Grundlagen und Entwicklung der russischen Autarkie ausführlich dargelegt.   

Russland – Weltmacht im Wartestand. Oder auch: Angst vor Russland, warum?

Eine Bestandaufnahme jenseits von Putin

Auf: http://kai-ehlers.de/?s=Angst+vor+Russland%2C+warum%3F++

 

COMMENTS

WORDPRESS: 10
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    Peter Cwielag 2 Wochen

    Natürlich liegt es auch daran, daß ich genauso empfinde/denke, doch die klare und sachliche Gedankenführung in diesem Beitrag ist schlicht toll! Danke, Anja B.

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    Horst Beger 2 Wochen

    Dass die von Kai Ehlers aufgezeigten historischen Grundlagen der russischen Autarkie den jesuitistischen Widerspruch von den „wahren Russlandverstehern“, wie Herrn Werner hervorrufen würden, war zu erwarten. Dazu gehört auch die Leugnung der Tatsache, dass alle Kriege und Niederlagen gegen Russland vom Westen ausgingen. Das gilt auch für die von Amerika und der NATO provozierten Konflikte in der Ukraine und in Syrien, deren Ursachen von Herrn Werner jesuitistisch auf den Kopf gestellt werden. Das alles zeugt einmal mehr von der völligen Unkenntnis und Leugnung der russischen Geschichte und der historischen Zusammenhänge; von „moralischer Überlegenheit“ ganz zu schweigen.

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      Frank Werner 2 Wochen

      Herr Beger, ganz kann ich ihrem rudimentärem Geschichtswissen nicht folgen. Russland hat nur Krieg mit dem „Westen“ geführt und wude immer angegriffen? Und hat immer gewonnen? Hier zur Erinnerung:

      1929: Chinesisch-Sowjetischer Grenzkrieg
      1938–1939: Japanisch-Sowjetischer Konflikt
      1939: Invasion und Besetzung Ostpolens
      1939–1940: Krieg gegen Finnland
      1940: Invasion und Annexion der baltischen Staaten

      1940: Besetzung des rumänischen Bessarabien
      1941–1944: Finnisch-Sowjetischer Fortsetzungskrieg
      1945–1948 Besetzung von Staaten Ost-Europas
      1953: Niederschlagung des Aufstands in der DDR
      1956: Niederschlagung des Ungarischen Volksaufstands
      1968: Niederschlagung des Prager Frühlings
      1969: Chinesisch-Sowjetischer Grenzkrieg
      1979–1989: Militärintervention in den Afghanischen Bürgerkrieg

      2014: Invasion und nachfolgende Annexion der Krim
      Seit 2014: Militärische „Unterstützung“ der „Rebellen“ in der Ostukraine

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        Horst Beger 2 Wochen

        Den Ersten und Zweiten Weltkrieg hat Herr Werner in seiner jesuitistischen Aufzählung „vergessen“, weil diese von den Angloamerikanern und Deutschland ausgingen.

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        Mitleser 1 Woche

        Herr Werner,
        wollen wir noch einige Ergänzungen aufnehmen?
        – 1920-1923 Polnisch-Sowjetischer Krieg. Invasion und Annektion Sowjetischer Gebiete durch Polen.
        – Danach 1939 Rückeroberung durch die Sowjetunion und Wiederherstellung der Ostgrenze Polens gemäß dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk.

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        Mitleser 1 Woche

        Herr Werner,

        eine weitere wichtige Ergänzung:
        2014 in dieser Reihenfolge:
        1. Unabhängigkeitserklärung der Krim durch das Parlament der Republik.
        2. Referendum auf der Krim über Autonomie innerhalb der Ukraine oder Beitritt zur Russischen Föderation
        3. Gemäß dem Ergebnis der Volksabstimmung Antrag auf Beitritt zur RF
        4. Annahme durch das Parlament der RF
        5. Einvernehmlicher Zusammenschluss zweier unabhängiger Völkerrechtssubjekte.

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          Frank Werner 1 Woche

          Da fehlen aber wichtige Punkte in Ihrem Paralelluniversum

          „1. Unabhängigkeitserklärung der Krim durch das Parlament der Republik.“

          Welches nicht vollständig war, besetzt von bewaffneten Urlaubern. Abstimmung unter dem Eindruck von AK47 ..

          „2. Referendum auf der Krim über Autonomie innerhalb der Ukraine oder Beitritt zur Russischen Föderation“

          Was beides die gleichen Folgen gehabt hätte. Übrigends das Referendum zu nennen ist schon stark. So dürfte in einem deutschen Verein nicht einmal über die Tagesordnung abgestimmt werden. Zum anderen vergessen sie, wieviel schon geflohen sind und dass die Gegner dieser Farce keinerlei Möglichkeit hatten, ihren Standpunkt zu vertreten. Von massiven Fälschungen (übrigends bestätigt durch den Menschenrechtsrat im Kreml) ganz abgesehen.

          „3. Gemäß dem Ergebnis der Volksabstimmung Antrag auf Beitritt zur RF“

          Farce.

          „4. Annahme durch das Parlament der RF“
          Verstoss gegen die Verfassung Russlands. Wurde erst später „nachgezogen“.

          „5. Einvernehmlicher Zusammenschluss zweier unabhängiger Völkerrechtssubjekte.“

          Stuss.

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    Frank Werner 2 Wochen

    Wovor man sich fürchtet Herr Ehlers?
    Ganz einfach: vor Unberechenbarkeit, Unehrlichkeit, Vertragsbruch und Aggressivität.

    Ihre Merkmale der Autarkie helfen vielleicht einem 3. Weltland/Schwellenland – aber keiner Möchtegern Weltmacht (falls man in dem Titel mehr sehen möchte als den Besitz von Atomwaffen, die Angst der Nachbarn und das Besetzen anderer Länder).

    Und Stabilisierung? Kann man so sehen. Kurzfristig auf jeden Fall. Aber ist ein Gebäude stabil, dass wahrscheinlich zerfällt oder zumindest stark in der Statik gefährdet ist wenn man ein Steinchen (d.h. eine gewisse Person) entfernt? Und ein System dass darauf angewiesen ist, permanent eine „ausländische“ Bedrohung aufzubauen und am Leben zu erhalten, um innenpolitisch abzulenken und alle um die „Fahne“ (besser den „Leader“) zu versammeln?

    Wohl kaum. Und de facto Einschränkung der Pressefreiheit als „Ausrichtung der Medien am nationalen Interesse“ zu belobhudeln ist schon ein starkes Stück. Genauso wie der Kuhhandel zu Abbau demokratischer Rechte im Gegenzug für mehr Wohlstand (ein Kuhhandel, welcher ja auf der Kippe steht). Und das Fehlen unabhängiger Institutionen …

    Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen zu Diktaturen/Autokratien. Die kommen zu dem Schluss, dass es kurzfristig tatsächlich zu Stabilisierungseffekten und wirtschaftlichen Wachstum kommen kann. Aber spätestens nach 10 Jahren war es damit in allen untersuchten Fällen vorbei.

    Was die Mehrheit der Russlandversteher nicht auseinanderhalten kann: dass Größe auf Grund der Landfläche nicht gleichzusetzen ist mit der Bedeutung eines Landes. Das BIP Russlands liegt knapp über der Hälfte von Indien und deutlich weniger als die Hälfte von GB und knapp über dem von Australien. Es sollte jedem zu einem Dreisatz fähigen klar sein, dass das BIP im krassen Gegensatz zum Selbstbild („größtes“ Russland der Welt), zu den Aktionen und Zielen Russlands steht. Statt zukunftsfähige Entwicklung der Infrastruktur, der Wirtschaft, der Zivilgesellschaft: Abschottung, Verzettelung in außenpolitischen Abenteuern und massive Aufrüstung.

    Und was Sie der USA vorwerfen – „… Kriege verstrickte und immer verstrickt und am Verfall ihrer moralischen wie auch politischen Autorität krankt.“ So kann man nur feststellen, dass die Minderwertigkeitskomplexe und die Paranoia Russlands ja auch dieses wieder in Kriege treibt – sei es in der Ukraine oder in Syrien. Es erinnert eher an einem randalierenden Schüler auf dem Pausenhof. Dieser randaliert, um endlich die Aufmerksamkeit die bekommen, die ihm – seiner Meinung nach – zusteht. Und moralischer Verfall? Ist die staatlich geförderte Homophobie in Russland etwa moralische Stärke? Die Softpower Russlands liegt in Summe bei nahe Null.

    Die Politik Putins führt dazu, dass die Entbehrungen der 90iger Jahre umsonst gewesen sein werden. Fälschlicherweise wurde dem russischen Volk die Wirren der 90iger Jahre als Folge der Demokratisierung verkauft – nicht als Folge von jahrzehntelanger Diktatur und völlig kaputter Strukturen.

    Die Wirtschaft ist alles andere als in gutem Zustand. Russische Wissenschaft und Technologien spielen – bis auf wenige Ausnahmen – global keine wesentliche Rolle (mehr). Der neu gepredigte Isolationismus (scheinbar möglich durch die Autarkie) führt letztlich zu einer Nordkoreanisierung und weiteren Rückfall. Eine neue Chance des Umbaus der Wirtschaft aufgrund sehr hoher Rohstoffpreise wird es so nicht wieder geben. Und man muss sich nur mal die Auswanderungsströme der letzten Jahre ansehen. Wer kann und gebildet ist geht, weil er keine Zukunft in solch einem System sieht.

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      Günter Guttsche 2 Wochen

      Liebe Redaktion,
      lassen Sie doch bitte mal den ehrenwerten Herrn Frank Werner in einem redaktionellen Artikel seine Sicht auf die Dinge nach seiner Lesart vortragen. Vielleicht ist es dann besser ihn als das zu entlarven was er offensichtlich zu sein scheint. Nämlich ein einseitig beschränkter Besserwisser. Auf seine Einlassungen würde die Community sehr gerne eingehen, dessen bin ich mir sicher.
      Das erscheint mir angebracht auch wegen der beschränkten Bandbreite seiner Kommentare hier bei Russlandkontrovers.
      Ich freue mich schon jetzt auf eine höchst geistvolle Auseinandersetzung mit diesem Herrn. Wenn er das lesen sollte, wäre es vielleicht noch sinnvoller er würde sich gleich bei Ihnen liebe Redaktion melden und von sich aus diesem Vorschlag aufgreifen.
      Herr Werner haben Sie einfach Mut.

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    Das Problem, das sich aber hieraus ergeben hat, reicht weitaus tiefer. Durch die mit despotischer Selbstermächtigung einhergehende Anmaßung der US-Elite, Europa ohne eigene Not zum erneuten Schlachtfeld und damit die Europäer zum Schlachtvieh des Wahngebildes eines US-Vorrechts auf Weltherrschaft degradiert zu haben, wurde das durch die angelsächsische Vorherrschaft geprägte Konstrukt des „Westens“ als ein auch innenpolitisch totalitäres und ideologisch hässliches Gebilde erkennbar – für die Welt außerhalb dieses Machtkonstrukts, aber auch für alle politisch wachen und mit dem natürlichen Selbstverständnis der autonom denkenden und ihrer Würde bewussten Europäer offen erkennbar.

    Dieser „Westen“, in dem nur Leute die Machtfilter vermeintlicher Repräsentanten passieren können, die despotisch vorab getroffene Entscheidung elitärer US-Netzwerke auch bei eklatantem Widerspruch zu dem Mehrheitswillen der Bevölkerungen und den Verfassungen ihrer Staaten submissiv gegenüber der Hegemonialmacht durchsetzen, hat alle moralische Legitimität nach innen und außen verloren. Seine Freiheitsbeschwörung klingt hohl, denn wie die schlimmsten Tyranneien der Geschichte wird einzig Unterwerfung gefordert und dies bis zur propagandistischen Einstimmung in die Selbstauslöschung ganzer Völker.

    Dabei sind die USA und alle ihre Vasallen nicht nur zu einem hässlichen, despotischen und totalitären Gebilde verkommen, sondern sogar zu einem, dessen Vertreter so wirken, als hätten sie nicht mehr alle Tassen im Schrank. Um als Mensch und Bürger den politischen Verkäufern dieser Politik zu bejahen, über die wir noch nicht einmal mehr im Ansatz mehr per Wahl mitentscheiden können (so wenig wie die Wähler der Blockflötenparteien der DDR),muss man schon seinen Verstand verloren haben. Neuderings jedoch ist der Despotismus so weit fortgeschritten, dass selbst die Hutträger, die die despotisch verordneten politischen Leitlinien uns Bürgern nach innen verkaufen sollen, vorab festgesetzt werden (wie die unglaubliche letzte US-Wahl zeigt) und eine irre Hysterie einsetzt, wenn Träger der falschen Perrücken und Sprechkonventionen für vier Jahre die Staatschefs spielen sollen (wo die bürgerfeindliche Politik eh vorherbestimmt ist), ist der Gipfel der Unglaubwürdigkeit.

    Die Politik und die Gesellschaften des Westen selbst haben sich seit 2014 in ein absurdes Theater verwandelt, gegen das Ionescos und Samual Becketts Schöpfungen als behagliches Ohnesorgtheater daherkommen. Lebensbedrohlich, absurd, feindlich und von einem pathologisch und dummen Geist geprägt wurde das Gebilde, das im Kalten Krieg noch eine Sehnsucht vieler Menschen verkörperte, zu einer tödlichen Karrikatur seiner selbst.

    Russland mag, für sich genommen (und so empfinden es die meisten Russen auch) ein äußerst unperfektes Land sein: Sie reden offen über Schlampigkeit ihrer Verwaltung und Korruption von Funktionsträgern, von Schmiergeldern die selbst bei kleineren oder mittleren Genehmigungen in vielen Provinzen unter der Theke hin- und herwandern, aber Regierung und Bürger haben alle Tassen im Schrank und wirken als offenherzige und sich klar ausdrückende Menschen, nicht wie entrückte Ideologen und Paranoiker.

    Inzwischen bin ich der Auffassung, dass die Tatsache, dass sich die Russen, trotz des Traumas des gesellschaftlichen Kollapses der 90er, die Resilienz ausbilden konnten, sich der USamerikanischen Anmaßung zu entziehen, die letzte Chance auch der übrigen Europäer bildet, je wieder zu Selbstbestimmung und einer Kultur frei denkender Menschen zurückzufinden. Russland hat nicht vor, wieder Ressourcen darauf zu verschwenden, Europa zu beherrschen. Die Russen wollen, aus Eigenintresse, unsere Unterjochung nicht. Sie wissen, welche Kraft, die ihnen für die innere Entwicklung fehlte, sie der Warschauer Pakt gekostet hatte.

    Unsere größte Gefahr, nämlich die akute Gefährdung von Leib, Leben und Verstand unserer Kinder, stellen die Vereinigten Staaten von Amerika da. Dieses an eigenen Widersprühen zugrundegehende Gebilde, inzwischen stehend für Despotie, Hybris und enstirnigste ideologische Verbohrtheit, sind das, was sie die Mehrheit der Weltbevölkerung in der Gallup-Untersuchung von 2014 nannte: die größte Gefahr für den Weltfrieden. Seit dem Abtreten der Nazis sind wir nicht wieder derart unfrei, gefährdet und ideologisch manipulativ propagandistischer Gleichschaltung ausgesetzt worden.

    Russlands Selbstbehauptung ist deshalb für uns eine Hoffnung.